Axel Braun hat eine Mixed-Media-Installation als begehbares Kunstwerk geschaffen, in dem eine vielschichtige Auseinandersetzung mit der Geschichte Venedigs aus dezidiert künstlerischer Perspektive entfaltet wird. Im Zentrum steht die komplexe Beziehung zwischen Natur und Kultur, die die Lagunenstadt seit ihrer Gründung prägt. Dabei geht es um die Aneignung natürlicher Ressourcen, die Umgestaltung der Lagune zur gebauten Landschaft und die Transformation von Natur in Kultur. Dazu zählen auch die herausragenden kulturellen Leistungen, für die Venedig berühmt ist – als Ort der bildenden Kunst, der Architektur, der Musik, der Literatur und des Theaters. Die raumbezogene Installation richtet den Blick indessen auch auf die dunklen Kapitel der venezianischen Geschichte: auf Raubbau, Kolonialisierung und Versklavung – Prozesse, die als Grundlage der politischen Macht und kulturellen Größe der Lagunenstadt begriffen werden müssen. Schönheit und Brutalität, wissenschaftlicher Fortschritt und menschliche Grausamkeit – diese scheinbaren Gegensätze sind hier vor Ort eng miteinander verwoben. Für Axel Braun wird Venedig zu einem exemplarischen Ort, an dem sich solche historischen Verflechtungen in besonderer Weise offenbaren und reflektieren lassen. Die für den Ausstellungsraum des Kunstverein Ruhr konzipierte Installation kombiniert Video, Fotografie und computergenerierte Bilder mit Sound, Text und einem skulpturalen Objekt. Durch die präzise räumliche Inszenierung – auch von außen durch die Schaufensterscheibe zum Kopstadtplatz sichtbar – entsteht ein vielschichtiges, medienübergreifendes Zusammenspiel der Elemente, das zur kritischen Betrachtung historischer Zusammenhänge einlädt. Die Gleichzeitigkeit und Überlagerung verschiedener medialer Ebenen stimuliert eine besondere Form der Wahrnehmung, in der die Ambivalenzen und Widersprüche kultureller Errungenschaften und struktureller Gewalt erfahrbar und zugleich im Rahmen einer ästhetischen Erfahrung reflektierbar werden.
https://axelbraun.org/
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