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Mariana Vassileva
The Milkmaid, 2006
Ein Video im Schaufenster des Kunstvereins

24.10. – 24.11.2013

Die 2006 entstandene Videoarbeit wurde durch ein berühmtes Gemälde von Jan Vermeer inspiriert. Es zeigt eine junge Frau, die behutsam Milch aus einer tönernen Kanne in eine Schüssel gießt. Der Delfter Maler vermochte seinerzeit diese an sich vollkommen unspektakuläre Szene in ein Bild zu verwandeln, das Eingang in unser kollektives Bildgedächtnis finden konnte. Die „Milchausgießende Magd“ (1658/60) existiert somit nicht nur als Original, welches täglich viele Betrachter im Rijksmuseum in Amsterdam zu sehen bekommen, sondern auch als Vorstellung und Erinnerungsbild in unseren Köpfen. Es wurde als Plakat-, Kalender- und Postkartenmotiv tausendfach verbreitet und vermochte auf diese Weise zum festen Bestandteil unserer kulturellen Erinnerung zu werden, gleichsam in unseren Köpfen zur „Ein-Bildung“ zu gelangen.

Mariana Vassileva greift in ihrem Video auf eben diese Bildvorstellung zurück, reduziert die Szene auf ihre wesentlichen Elemente und macht sie auf neue Weise gegenwärtig. Die Milch ausgießende Protagonistin erscheint jetzt in einer virtuellen Sphäre, in der weder Raum noch Zeit als existentielle Grundkomponenten eine Rolle zu spielen scheinen. In weiches, durchaus noch an Vermeer orientiertes Licht getaucht wird der Vorgang zu einer eindrücklichen bildhaften Parabel, in der Ortlosigkeit, Stillstand der Zeit und permanenter Fluss in eins fallen. Die ganz in Weiß gekleidete Frau verharrt konsequent (fast) bewegungslos in ihrer Position, während die Milch in einer nie enden wollenden vertikalen Bewegung nach unten die Schüssel fließt. Weil dieser Vorgang konzeptuell als Loop angelegt worden ist, kommt er (außer, wenn die Projektion um Mitternacht ausgeschaltet wird) nicht zum Stillstand. Auf diese Weise erfahren auch völlig unvorbereitete Passanten, die abends und nachts am Schaufenster des Kunstvereins vorbeigehen, ein faszinierendes Werk, in dem die Genres Video, Fotografie und Skulptur zu einer bemerkenswertem Einheit gelangen. Wie von selbst wird das stille und doch permanent fließende Bild zum Anlass, wenigstens für kurze Zeit stehen zu bleiben. Im Idealfall vermag es den Betrachter einige Minuten verwundert innehalten zu lassen. Vielleicht wird die auf diese Weise bewusst werdende Veränderung von Wahrnehmung, also die Tatsache, dass man einen Moment lang in der Lage ist, die Grenzen von Zeit und Raum, Bewegung und Stillstand, von innerem und äußerem Bild ansatzweise in sich selbst aufzuheben, zu einer tiefer gehenden ästhetischen Erfahrung und damit auch zu einer nur durch Kunst stimulierbaren Erkenntnis...

Mariana Vassileva
The Milkmaid, 2006, 03:00 min, PAL
Music: alva noto - taken from the op.2005 transrapid by Dominique Vellart
Actor - Maria Dabow
Courtesy: DNA Galerie Berlin, Dank an Johann Nowak

2. Teil
Jumping Man
2000-2005
02:16 min, PAL, loop

Ein Mann im eleganten schwarzen Anzug springt unablässig wie ein geübter Trampolinsportler vor dem Kameraauge auf und ab. Er versucht immer höher zu gelangen, schlägt dabei mannigfache Saltos und Pirouetten, kommt aber doch immer wieder auf den Boden, von dem aus er gestartet ist, zurück. Diese nicht enden wollende Wiederholung der Übung enthält, natürlich unterstützt durch die nicht gerade sportliche Kleidung, etwas Absurdes. Es wird schließlich klar, dass es der Mariana Vassileva nicht um die Sprünge als solche gehen kann, sondern eine Symbolik der Mühe und Vergeblichkeit. So gesehen, wäre jeder Sprung ein zum Scheitern verurteilter Versuch, sich aus dem Gewöhnlichen zu erheben, über sich selbst hinauszugelangen, durch Wiederholung immer besser werden zu wollen. In der Tat sieht Mariana Vassileva im übertragenen Sinne in der Gegenwart derart heftig hüpfende Männer und Frauen: Sie wiederholen ihre Übungen in Permanenz hoffen dabei, von Mal zu Mal besser zu werden und von der Stelle zu kommen, was nicht gelingt.

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